Bedürfnisse

Ich hab mich neulich im Rückspiegel gesehen. Und hab mich erschrocken. Ich seh müde und verbraucht aus. Seit Wochen. Ich kenne mich so nicht. Und ich bin leise geworden. Verkneife mir viel. In meiner Familie weiß niemand das mein Job praktisch nicht mehr existiert. Ich habe es nicht erzählt. Ich rede nicht über das, was mich bedrückt. Weil ich stark sein, funktionieren muss. Ich bin doch stark. Da kann es mir doch egal sein was ein random Dude im Internet mir unter ne Reply haut. Es muss mir egal sein. Da muss ich doch drüber stehen.

Nein. Muss ich nicht. Aber das Gefühl das bleibt ist, dass es egal ist was ich fühle oder wie es mir geht. Solange ich funktioniere. Den Erwartungen entspreche. Nur keine Gefühle zeigen. Nur nicht wütend werden. Das gehört sich nicht. Oder eben mit den Konsequenzen leben.

Mir geht es nicht gut. Und eigentlich müsste ich das auch so sagen. Aber die letzten Wochen auf Twitter haben mir gezeigt dass das nicht so einfach ist. Die alten Trigger und Gedankenmuster sind wieder da. Das Gefühl von Wertlosigkeit. Toxische Dominanz. Nur dieses Mal weiblich.

All das hinterlässt Spuren. Spuren, die dafür sorgen, dass ich nicht das sage, was ich gerne sagen würde. Weil nicht sein darf, was sein könnte. Würde ich sagen dass ich mir eine Partnerin vorstellen kann, weibliche Dominanz oder eine polygame Beziehung, dann würden vermutlich viele denken „ach guck. Mit nem Kerl kriegt sie es nicht hin. Jetzt will die olle mit ner Frau. Weil sie keiner will“. Und selbst wenn niemand so denkt, würde ich denken dass so über mich gedacht wird.

Ich hätte gerne jemanden in meinem Leben. Jemensch. Aber ich würde das nie sagen. Oder mich irgendwo anmelden. Einfach weil ich nicht weiß was schlimmer ist. Die Angst wieder verarscht zu werden oder die Angst tatsächlich wen zu finden. Oder dass ich es nicht verdiene geliebt zu werden.

Sorry. Das musste mal raus. Vielleicht lösch ich das später wieder.